- Jahreshauptversammlung 2011 in Stein gut besucht
- Größtes Wasserprojekt des Vereins "Hilfe für Afrika" in Gouye-Ndiogou versorgt zunächst 5 Dörfer mit Wasser
Bei der Hauptversammlung des Vereins "Hilfe für Afrika - Wasser für Senegal e.V." konnte der Vorsitzende, Franz Bickel, den Projektleiter aus dem Senegal, Abdourahim Sall (im Verein kurz "Rahim" genannt), begrüßen. Rahim setzt die vom Verein in Deutschland beschlossenen Hilfsprojekte in seinem Mutterland um.
Der Verein hat seit der Gründung vor 19 Jahren in 65 Dörfern im Senegal konventionelle Brunnen und zahlreiche Schuleinrichtungen gebaut.
In seinem Tätigkeitsbericht informierte Franz Bickel kurz über die aktuellen Projekte und die Ergebnisse seiner letzten Projektreise in den Senegal. Dabei berichtete er auch über neu vorgebrachte Wünsche von Dörfern zum Bau von konventionellen Brunnen und den Wunsch unseres Projektpartners, Abbé (Pfarrer) Raphael Wade, zum Bau einer Kranken- und Entbindungsstation in seiner Mission in Khombole.
Das bisher größte Projekt des Vereins - ein Bohrbrunnen mit Wasserturm zur Versorgung von rund 15.000 Bewohnern in 27 Dörfern, in der Region Gouye-Ndiogou, am Rande der Sahelzone - ist vor kurzem in Betrieb gegangen. Vorerst werden allerdings nur 5 Dörfer mit dem kostbaren Nass versorgt. Den aktuellen Sachstand und Hintergründe zu diesem Projekt erfuhren die zahlreich erschienen Mitglieder von dem für Brunnen zuständigen Referenten des Vereins, Rupert Kalchschmid.
Anhand von Bildern zeigte er den Projektfortschritt von der Bohrung (ca. 90 m) bis hin zu den bereits fertigen Anlagen, wie Wasserturm für 150 m³, Technikgebäude für das Dieselaggregat, Wohngebäude für den Wärter der Anlage und die Einfriedung des Brunnenareals. Nachdem die erste Bohrung nicht die erwartete Wassermenge bringt, ist noch eine zweite Bohrung erforderlich. Diese Bohrung wird dann über das normale Leitungsnetz mit dem Wasserturm verbunden.
Rupert Kalchschmid informierte auch über die angedachte Bohrung in einer Tiefe von 300-400 m, wo nach Aussagen der Wasserbehörde genügend Schüttung zu erwarten wäre. Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass das Wasser in dieser Schicht zu viel Fluor enthält, um es als Trinkwasser bedenkenlos verwenden zu können. Um die Probleme vor Ort zu eruieren, reiste das Vereinsmitglied Franz Meiler im Mai kurzfristig in den Senegal. Nachdem er verschiedene Änderungen und Ergänzungen der Anlage veranlasste, konnten schließlich die ersten 5 Dörfer an die Wasserversorgung angeschlossen werden. Seine konkreten Messungen und Feststellungen waren für die Vorstandschaft wichtige Entscheidungshilfen zum weiteren Vorgehen.
Die Schulreferentin des Vereins, Heike Messenzehl, informierte ebenfalls über ihre Reise, die sie mit Beisitzerin Jutta Steinhübl und Vertretern hiesiger Schulen machte. Sie berichtete über verschiedene Schulen, die vom Verein gebaut bzw. unterstützt wurden. Mit den Dorfbewohnern hofft sie, dass die bereits von der Vorstandschaft beschlossenen Schulbaumaßnahmen baldmöglichst verwirklicht werden. Voraussetzung ist jedoch die Bezuschussung durch das Entwicklungshilfeministerium. Natürlich brachte sie auch neue Schulwünsche mit.
Sie besuchte fast alle Patenkinder, machte Fotos und nahm Briefe für die Paten in Deutschland mit. Die Patenschaften werden in Zusammenarbeit mit Abbé Raphael abgewickelt. Seine dringende Bitte um Übernahme weiterer Patenschaften gab sie mit einem eindringlichen Appell an alle Anwesenden weiter.
Besonders erwähnte Heike Messenzehl den Wasserlauf der Grundschule Oberstdorf zugunsten eines bereits geplanten Schulbaus, der einen stattlichen Spendenbetrag erbrachte.
Kassiererin Steffi Berktold berichtete detailliert über die Einnahmen und Ausgaben des Vereins. Daraus war auch ersichtlich, dass der Verein auf gesunden, finanziellen Beinen steht und ausreichend Rücklagen für den Weiterbau des Großprojekts vorhanden sind. Mit Unterstützung des Entwicklungshilfeministeriums sind auch die geplanten Schulbauten möglich.
Die Kassenprüfer Philipp Müller und Josef Maierhofer fanden keine Auffälligkeiten und schlugen deshalb der Versammlung die Entlastung der Vorstandschaft vor, die dann auch einstimmig erteilt wurde.
Bei den turnusmäßigen Neuwahlen wurden alle bisherigen Vorstandsmitglieder in ihren Ämtern bestätigt.
Projektleiter Abdourahim Sall bei seinem Vortrag
Informativ und interessant waren die Ausführungen des senegalesischen Projektleiters Abdourahim Sall (Rahim). Nach seinen Aussagen war es für die 5 Dörfer wie ein Traum, als sie durch das neue Projekt Wasser bekamen. Ältere Leute hatten Tränen in den Augen, als die Bohrgeräte vorfuhren und arbeiteten. Eine gesicherte Wasserversorgung bedeutet für viele, vor allem jüngere Menschen, die Chance, im Dorf zu bleiben und nicht in die Stadt oder gar, via Lampedusa, nach Europa abwandern zu müssen.
Verschiedene Organisationen hatten seit vielen Jahren den Bau der Anlage versprochen, aber nie gehalten. Rahim meinte, bei dem Projekt geht es nicht so schnell voran wie erwartet, aber es geht sicher in Richtung Ziel. Er hofft, dass demnächst alle 27 Dörfer angeschlossen werden können. Manche Hürden waren auch zu überwinden, weil die Dörfer im Zuständigkeitsbereich von drei "Landräten" liegen. Andere Hilfsorganisationen scheitern teilweise mit ihren Vorhaben, weil die Verantwortlichen nicht mit der Administration des Landes zusammenarbeiten. Es ist unbedingt erforderlich, die geplanten Projekte, z.B. mit der Schulbehörde oder dem Wasserwirtschaftsamt, abzustimmen, so dass der Aufbau der Infrastruktur koordiniert abläuft. Deshalb wird von Rahim regelmäßig der Investitionsplan des Vereins der Regierung vorgelegt. Das führt auch zu einer Befreiung von der Mehrwertsteuer für diese Investitionskosten.
Sehr wichtig sei auch die Unterstützung der Frauengruppen durch den Verein in Form von Kleinkrediten, mit denen sie dann eigene Erwerbschancen voranbringen.
Rahim informierte auch über unhaltbare Zustände in seinem Land. Sehr häufige Stromausfälle verhindern nicht nur das Arbeiten, sondern auch die Wasserversorgung in vielen Städten, weil keine Notstromgeräte für die Pumpen vorhanden sind. Nach seiner Meinung wird sich nach den anstehenden Neuwahlen im Februar einiges ändern, weil es sich ändern muss. Staatliche Hilfe kommt oft nicht bei den Menschen an, die sie am dringendsten brauchen. Der fast 88-jährige Staatspräsident, der nochmals kandidieren will, dürfte nach der Stimmung im Land kaum mehr eine Chance auf Wiederwahl haben.
Im Anschluss an seine Ausführungen beantwortete Rahim Fragen der Anwesenden, z.B. zum Verhältnis zwischen Christen und Muslimen, das im Senegal sehr entspannt und problemlos ist.
Zum Schluss bedankte sich Rahim für die gute Zusammenarbeit mit der Vorstandschaft des Vereins und für die Unterstützung, die der Verein seinen Landsleuten zukommen lässt.
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| Gruppenbild der Vorstandschaft des Vereins mit dem senegalesischen Projektleiter Rahim
Von links: Rupert Kalchschmid (Brunnenreferent), Jutta Steinhübl (Beisitzerin), Steffi Berktold (Kassiererin), Markus Kiesel (Beisitzer), Abdourahim Sall (Projektleiter), Franz Meiler (Brunnenspezialist), Heike Messenzehl (Schulreferentin), Franz Bickel (Vorsitzender), Guido Allgayer (Schriftführer) |